Marga-Bührig-Anerkennungspreis

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Entstehung und Ziel:

Der Marga-Bührig-Anerkennungspreis wurde im Mai 1999 im Rahmen des 10-jährigen Jubiläums des Vereins Frauen und Kirche Luzern zum ersten Mal verliehen. Initiiert wurde er durch den Arbeitskreis feministische Theologie Luzern, der sich 1982 konstituiert hat. Der Preis ist eine Anerkennung für langjähriges und beharrliches Engagement für feministische Theologie, deren Erarbeitung und Vermittlung. Es können sowohl Einzelpersonen wie Projekte und Gruppen ausgezeichnet werden.

Kriterien für die Preisverleihung:

Von den Preisanwärterinnen wird erwartet,

  • dass ihre Arbeit feministisch-theologisch akzentuiert ist,
  • dass sie feministische Theologie unabhängig von Trends und institutioneller Abstützung über längere Zeit weiter getragen haben und weiter tragen,
  • dass sie innovativ und kontinuierlich an Kernthemen feministischer Theologie arbeiten,
  • dass sie das gesellschaftspolitische Umfeld mit einbeziehen,
  • dass sie zur Verfügung stehende Infrastrukturen (z. B. Bildungshaus, Zeitschrift) für die feministisch-theologische Arbeit nutzen,
  • dass sie andere Frauen in ihre Arbeit einbeziehen, fördern und ihnen Lernfelder zur Verfügung stellen.
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Bisherige Preisträgerinnen:

>>> 2007 >>> 2003  >>> 2001  >>> 1999 

2007

Dr. theol, Doris Strahm
und das Schweizerische Weltgebetstags-Komitee

Die Jury des Arbeitskreises Feministische Theologie in Luzern hat sich für zwei
Preisträgerinnen entschieden: für Doris Strahm, eine Theologin, die seit Jahren feministisch-theologisch tätig ist, und für das Schweizerische Weltgebetstags-Komitee, eine Bewegung an der Basis, die sich seit Jahrzehnten in gelebter Ökumene für Frieden, Gerechtigkeit, Bewahrung der Schöpfung aus Sicht der Frauen engagiert.
«Wir zeichnen eine innovative, kontinuierlich theoretisch und praktisch arbeitende
feministische Theologin aus, die ihren Blick, ganz im Sinne Marga Bührigs, über die
Landesgrenzen hinaus richtet und dadurch auch ihre Theologie immer weiter entwickelt», schreibt die Jury in ihrer Begründung. Ausgezeichnet werde gleichzeitig auch ein Basis-Projekt, «das ebenfalls die Welt im Blick hat, uns die Situation von Frauen in fremden Kontexten nahe bringt und uns herausfordert, in Auseinandersetzung und Dialog mit ihnen zu treten».

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Die Preisträgerinnen:

Dr. Doris Strahm
Doris Strahm ist eine der Pionierinnen der feministischen Theologie in der Schweiz. Sie setzt sich seit Jahren mit Vorträgen, Kursen und Büchern beharrlich für die Vermittlung dieses Themas an eine breitere Öffentlichkeit ein. Doris Strahm hat ihre feministisch-theologische Arbeit mehrheitlich ausserhalb der offiziellen kirchlichen Institutionen geleistet und innovativ und kontinuierlich theoretisch und praktisch an Kernthemen feministischer Theologie gearbeitet.
Sie ist eine der Mitbegründerinnen der schweizerischen feministisch-theologischen Zeitschrift FAMA und war über 20 Jahre lang eine ihrer Herausgeberinnen und Redaktorinnen. Sie hat den bis heute bestehenden Lehrauftrag «Theologische Frauen und Geschlechterforschung» an der Theologischen Fakultät Luzern vor 21 Jahren mitinitiiert, war Gründungsmitglied der IG Feministischer Theologinnen der Schweiz und hat, als jüngstes Beispiel, gemeinsam mit Jasmina El-Sonbati ein Protestschreiben religiös engagierter Jüdinnen, Christinnen und Musliminnen lanciert, das sich gegen die einseitig aus Männern bestehende Zusammensetzung des im Jahr 2006 neu gegründeten Rates der Religionen in der Schweiz richtet. Besonders stark engagiert sie sich im interreligiösen Dialog und bringt interreligiöse und religionspolitische Themen in die feministisch-theologische Diskussion mit ein, wofür ihr neuestes, gemeinsam mit der holländischen Theologin Manuela Kalsky herausgegebenes Buch, «Damit es anders wird zwischen uns», steht. Doris Strahm arbeitet als Wissenschafterin ebenso wie als Erwachsenenbildnerin, Lehrbeauftragte und Publizistin.
Sie erreicht mit ihrer Arbeit Menschen weit über ein akademisches Publikum hinaus. Sie ist keine Einzelkämpferin, sondern vernetzt sich immer mit anderen Frauen und mit Gruppierungen. Seit mehreren Jahren ist sie Präsidentin des cfd (Christlicher Friedensdienst), in dem sie ihre theologische Arbeit mit konkreter politischer Arbeit verbindet.

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Weltgebetstag
Der Weltgebetstag ist eine weltweite ökumenische Bewegung christlicher Frauen. Zunächst von reformierten Frauen initiiert, wurde der WGT schon bald selbst-verständlich ökumenisch ausgerichtet und gefeiert. Gemeinsames Anliegen ist es, durch informiertes Beten und betendes Handeln Not zu lindern und Zeichen der Solidarität zu setzen.
Der erste Weltgebetstag fand 1887 statt. Die Bewegung hat sich kontinuierlich auf immer mehr Länder ausgedehnt. Die Schweiz ist seit Jahren mit dabei. Geschichte der Weltgebetstag-Bewegung. Der Gedanke des Friedens, des interkulturellen Austauschs, des gegenseitigen Gesprächs und des weltweiten Friedens prägte diese Bewegung von Anfang an. 1942 schrieben 150 Frauen und Männer, die sich gerade in New York aufhielten, viele aus miteinander Krieg führenden Nationen, eine aufwühlende und bewegende Liturgie. Nach dem Zweiten Weltkrieg führte die Sehnsucht nach Frieden und Versöhnung dazu, dass sich weltweit viele Frauen der Weltgebetstags-bewegung anschlossen. 1950 lud der Evangelische Frauenbund der Schweiz (EFS) erstmals offiziell zum Weltgebetstag ein (der Weltgebetstag wird in 92 Ländern gefeiert). 1956 wurde erstmals in der Schweiz versucht, die deutsche und französi-sche Liturgie so aufeinander abzustimmen, dass sie in zweisprachigen Gottes-diensten nebeneinander gebraucht werden können. 1958 beteiligten sich Frauen der Christkatholischen Kirche in der Schweiz erstmals an der Vorbereitung einer Gottesdienstordnung. Seit 1966 feiern auch die römisch-katholischen Frauen den Weltgebetstag offiziell mit. Schweizer Weltgebetstags-Komitee Trägerinnen des Schweizerischen Weltgebetstags-Komitees sind der Evangelische Frauenbund der Schweiz, der Schweizerische Katholische Frauenbund, der Verband Christ-katholischer Frauen der Schweiz, das Frauenwerk der Evangelisch-methodistischen Kirche Schweiz-Frankreich und die Heilsarmee.
Der Weltgebetstag ist eine der ersten weltweiten ökumenischen Bewegungen von christlichen Frauen an der Basis. Die Grundhaltung feministischer Theologien der Einheit von Handeln und Beten, Theorie und Praxis, von Information durch und aus Sicht der Betroffenen und solidarischem Handeln war schon früh Basis dieser Bewegung. Gelebte Ökumene, Frieden, Gerechtigkeit, Bewahrung der Schöpfung aus Sicht der Frauen prägen diese Bewegung seit Jahrzehnten. In jedem Jahr stehen Frauen aus einem anderen Land im Zentrum, die über ihr Leben und die Situation von Frauen in ihrem Land informieren und Projekte vorstellen. Information, Auseinandersetzung und Gespräch werden so bis in viele Winkel der Welt getragen.

 

Jury des Arbeitskreises Feministische Theologie, Luzern:
Lisianne Enderli, Li Hangartner, Claudia Jaun, Carmen Jud, Heidi Müller, Beata Pedrazzini, Silvia Strahm Bernet.

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2003

Dr. phil. Reinhild Traitler

Auszeichnung durch die Jury:

"(...) in Anerkennung ihres 'langjährigen und beharrlichen Engagements für feministische Theologie, deren Erarbeitung und Vermittlung' im Rahmen ihrer Tätigkeit als Studienleiterin am Evangelischen Tagungs- und Studienzentrum Boldern, Männedorf und Zürich und weit darüber hinaus in der Oekumenischen Frauenbewegung im deutschsprachigen Raum.

Mit Reinhild Traitler ehren wir eine aussergewöhnlich kreative und produktive Persönlichkeit, die mit hoher Kompetenz und grossem Stehvermögen während 18 Jahren grundlegende feministische Bildungsarbeit geleistet hat: Ihre Neuschöpfungen wie der Ausbildungskurs feministischer Theologie und die Europäische FrauenSommerakademie von und für Frauen aus ganz Ost- und Westeuropa wurden zum Spiel- und Lernfeld von Hunderten von Frauen im Aufbruch aus traditionellen Strukturen von Kirche und Gesellschaft. Mit dem European Women's College schuf Reinhild Traitler ein Basis-Studium für Frauen ohne akademische Vorbildung in Sprache, Philosophie, Ökonomie, Politik auf Grund feministischer Biographiearbeit.

Die Ausstrahlung dieser Angebote ist enorm und wird durch Reinhild Traitlers schriftstellerische und publizistische Arbeiten noch ausgeweitet. Sie hat die Pionierarbeit ihrer Vorgängerinnen Marga Bührig und Else Kähler weiter entwickelt und einen wesentlichen Beitrag dazu geleistet, dass feministische Theologie heute in weiten Kreisen wahr- und ernst genommen wird."

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2001

FAMA - die feministisch-theologische Zeitschrift

Begründung der Jury:

"Die Jury des Marga-Bührig-Anerkennungspreises freut sich, den zweiten Anerkennungspreis für basisorientierte Umsetzung und Vermittlung von feministischer Theologie der feministisch-theologischen Zeitschrift FAMA zu verleihen.

Mit der Wahl von FAMA zeichnen wir das 15-jährige Engagement der FAMA-Macherinnen für die feministisch-theologischen Bewegung der Schweiz aus. FAMA gab und gibt mit ihren Themenheften immer wieder wichtige Anstösse und bietet Plattform für Austausch und Information.

FAMA ist für viele LeserInnen eine verlässliche Begleiterin, die zum Denken anregt, zum Träumen inspiriert, zum lustvollen Frausein beflügelt, aber auch zum kritischen Widerspruch gegenüber patriarchalen Strukturen und Verhaltensweisen ermutigt. Das feministisch-befreiungstheologische Engagement der FAMA-Macherinnen zieht sich durch, bewegt, stösst an und ermutigt zu einem Glauben an ein gutes und ganzes Leben für alle Menschen, eben auch und gerade für Benachteiligte, für Frauen und Kinder vor und nach dem Tod.

Die Jury würdigt insbesondere die kontinuierliche, pointiert feministische Arbeit, die Weitergabe neuerer und auch kontroverser Forschungsergebnisse an einen weiten LeserInnenkreis, die Verbindung von gesellschaftlich-politischen Themen und Alltagserfahrungen mit Theologie und die Erneuerungskraft des Redaktionsteams. Diese unermüdliche kreative und engagierte Arbeit, die aus der Lust am gemeinsamen Diskutieren und Schaffen heraus wächst, zeichnen wir mit dem Marga-Bührig-Anerkennungs-Preis aus."

>>> Link zur FAMA

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1999

Dr. Brigit Keller,

Studienleiterin an der Paulus-Akademie Zürich

Begründung der Jury:

"Die Jury freut sich, Dir den diesjährigen und ersten Anerkennungspreis für basisorientierte Umsetzung und Vermittlung von feministischer Theologie zu verleihen.

Wir haben Dich aus vielen anderen ausgezeichneten Frauen ausgewählt, weil Du Dich durch langjähriges und beharrliches Thematisieren von feministisch-theologischen Fragen in der Tagungs- und Veranstaltungstätigkeit in der Paulus-Akademie auszeichnest.

Du bist eine der Pionierinnen, die feministisch-theologische Anliegen zum Schwerpunktthema ihrer Arbeit gemacht haben, als noch kaum die Rede davon war. Für viele Frauen hast Du die erste Begegnung und kontinuierliche, vertiefte Auseinandersetzung mit feministischer Theologie ermöglicht und eng verknüpft mit dem gesellschaftspolitischen Kontext reflektiert und bearbeitet."

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